Image der Wohnmobilisten

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Kommentar

In der Freizeit treffen wir uns auf den Stell- oder Campingplätzen, wir lesen Womo-Zeitschriften und Reiseblogs. Ich selber traf mich gestern mit zwei Vorstandsmitgliedern, und danach mit einem zukünftigen Partner. Im Büro beantworte ich Mails, telefoniere und schreibe Ideen und organisiere. Aber immer geht es um Wohnmobile. Und wenn man mal jemand «Normaler» ohne Reisefieber trifft, spricht man über andere Themen.

Wir Wohnmobilisten sehen auf der Autobahn sehr viele Kollegen in ihren Gefährten vorbeifahren, jedes fällt uns auf und wir schauen unbewusst oder bewusst nach, vielleicht grüssen wir sogar. Überall nur noch Womos.

Aber eben, das ist ein kleiner Teil der Bevölkerung. Wenn wir grosszügig rechnen, betrifft dies 400'000 Leute in der Schweiz, das sind gerade mal 4,6% der Bevölkerung. Und was denken die restlichen 95,4 % ?

Die denken nicht an Womos, auch nicht auf der Autobahn, wenn sie uns überholen. Sie sehen uns nicht einmal. Schliesslich sah ich die Womos auch 40 Jahre lang nicht. Der Grossteil der Bevölkerung denkt an Womos, wenn wir ihnen die Fahrt auf einem Pass behindern und nicht ganz so zügig um die Serpentinen fahren, sie uns nicht überholen können oder wenn wir einen Parkplatz verlassen und in der Wiese ein Papierfetzen liegt. Dann ist ja klar, der Abfall liegt von den Womos hier, denn die PW-Fahrer lassen ganz sicher nichts liegen. Unser Image in den 95% der Bevölkerung ist schlecht! Leider!

Vor zwei Wochen hatte ich ein langes Gespräch mit einem Journalisten, der keine Ahnung von Wohnmobiltourismus hatte. Aber er wollte einen Bericht darüber schreiben, weil wir ihm das Thema als spannend verkaufen konnten. Der Bericht wurde sehr gut, abgedruckt in vielen grossen Tageszeitungen der Schweiz. (nur im Abo)

133 Kommentare heimste der Artikel online ein. Es lohnt sich diese Kommentare zu lesen, denn dort wird aufgeführt, welches Image wir haben. Ein ziemlich schlechtes! Klar, bei den meisten dieser Schreiberlinge sind die Finger schneller wie die Gehirnzellen (manchmal sogar noch zahlreicher), aber es zeigt sich eben trotzdem, wie wir in der Öffentlichkeit dastehen.

Fundiert sind praktisch keine Kommentare, auch viele Fake-Meldungen und -Fakten werden da verbreitet. Aber es zeigt uns doch auch auf, wo die Probleme liegen: Wohnmobilisten, die vor den Womos urinieren oder sich nachts in der Natur versäubern, Abfall liegen lassen und kein Geld ausgeben (warum ist dann mein Kontostand nach einer Womoreise immer so tief?).

Und dann momentan eines unsere Haupt-Problem-Image-Punkte in der Öffentlichkeit: wir fahren Dreckschleudern, viel zu grosse Fahrzeuge und verstopfen Strassen und sind total umweltschädlich. Freizeitreisen mit dem Wohnmobil sind nicht umweltfreundlich, das ist klar. Aber kein einziger Tourismus ist umweltfreundlich, nicht mal das zu Hause bleiben ist umweltfreundlich. Sobald man in der Freizeit eine Reise zum Vergnügen macht, wäre ein Verzicht besser.

Dennoch müssen wir an unserem Image-Problem arbeiten, und das erreichen wir nur, wenn sich jeder vorbildlich verhält.

Rolf Järmann

Fotograf Bild: Urs Jaudas
13.8.2022

Zusatz Informationen: